ÖBH Saab Tonne J-29F

Ich muss zugeben, die SAAB J-29F, nicht zu unrecht auch "Fliegende Tonne" genannt, fand ich immer ausgesprochen häßlich. Trotzdem übt das Flugzeug einen gewissen Reiz aus. Diesem Reiz bin ich schlußendlich doch verfallen und habe mir den relativ neuen Bausatz von Pilot Replicas, einem kleinen Hersteller aus Schweden, gegönnt.

Mir war nie ganz klar warum 90% aller Box-Art-Bilder Flugzeuge im Flug zeigen (verkauft sich wohl besser?) aber 99% aller Modellbauer Ihre Flugzeuge auf die Räder stellen. Da die SAAB J-29F im Flug viel eleganter aussieht als am Boden, möchte ich jedenfalls das Modell im Flug darstellen.

Ich werde das Modell, ganz entspannt, aus der Schachtel bauen und ohne Superdetailierung auskommen. Diese Zurüstteile kommen dennoch zum Einsatz: ein Staurohr-Set (48-PT-001), die Zusatztanks aus Resin (48-R-010) sowie eine passende Pilotenfigur (48-P-014).

Gestartet wird diesmal nicht mit dem Cockpit, sondern ich machte Passbroben des Rumpf und überlegte mir, wie ich Flugdarstellung machen kann. Die Ersten Bauteile zeigen eine wunderschöne und absolut stimmige Oberflächendarstellung. Jede Wartungsöffnung ist an der Stelle an der auch das Vorbild eine Öffnung hat!

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Dieses violette Klebeband ist supergünstiges WASHI-Tape aus dem Bastelbedarf ... in englischsprachigen Foren derzeit als billiger Tamiya Tape Ersatz gefeiert. Ich kann diese Billigtapes nicht empfehlen. Die Klebekraft ist mies und es löst sich nach einiger Zeit, die Ränder sind absolut unschön und unscharf geschnitten. Beim Lackieren läuft, bei gebogenen Oberflächen, gerne Farbe unter. Das WASHI Tape ist lange nicht so gut wie das bewährte Tamiya Tape.

Ein wenig unschön sind die Angüsse am Bugring (Einlauf zur Turbine) positioniert, hier heißt es vorsichtig sein. Ein Spalt im Lufteinlauf wäre korrekt, wenn er um 90Grad gedreht wäre ;-) der zweite Spalt und die Auswerfermarkierung müssen eigentlich verschliffen werden.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Soweit ... sogut ... wenden wir uns nun dem Heck zu. Der Triebwerkauslaß im Bausatz ist eigentlich rudimentär und ohne weitere Details. Den lasse ich einfach weg und verwende einen Acrylstab (Durchmesser ca. 10mm) der eingepasst wird.

Ich habe in der Restekiste eine alte Minitaschenlampe gefunden, die passt genau und wird im Heck des Flugzeugs als Hülse für den Acrylstab eingeklebt und sorgt so für mehr Stabilität.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Zuerst wurden die beiden Heckhälften verklebt (Passung sehr gut) und die Hülse im Inneren mit der 2K-Modelliermasse Magic Sculpt eingepasst und positioniert. Wenn die Masse ausgehärtet ist, dann hält die Hülse bombenfest.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Während die Masse aushärtet, wird in die Base ein passendes Loch mit einem 10er Holzbohrer gebohrt (mit kleinen Größen beginnend ;-)

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Acrylstab biegen

Der Acrylstab (bekommt man günstig im einschlägigen Architekturbedarf wie z.B. www.archidelis.at) muss nun gebogen werden. Dazu benutze ich eine günstige, 2stufige Heißluftpistole. Wichtig dabei, es sollte eine Bauart sein, die das Abstellen auf der Arbeitsfläche zulässt!

Nach meiner Idee soll sich das Flugzeug in einem sanften Steigflug befinden ... damit ich das beim Biegen nicht vergesse und der Winkel nicht zu steil wird, habe ich mit Tape den ungefähren Winkel aufgeklebt.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Nun wird die Heißluftpistole auf Stufe 2 geschaltet und der Acrylstab, unter permanentem Drehen, an der Biegestelle erwärmt. Wenn man vorsichtig ist, benötigt man keine Handschuhe ... das Acryl ist ein schlechter Wärmeleiter, nur beim Heißluftstrahl heißt es vorsichtig sein.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Nach ca. 2 Minuten wird der erhitzte Teil des Acrylstab plötzlich sehr klar und durchsichtig.Ab jetzt kann man ihn schön in Form biegen.

Ich habe ihn dann auf die Schneidematte gelegt damit er auch schön gerade wird und sich nicht verzieht. In dem Stadium kann man noch Korrekturen vornehmen oder sogar nochmals erhitzen. Nach einigen Minuten ist der Stab dann aber abgekühlt und bleibt in der gebogenen Position.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Nun wird der Stab schon mal in den Sockel und ins Heck eingepasst und wir markieren die Position wo wir den Acrylstab kürzen müssen. Das geschieht mit einer kleinen Säge.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Nun kann man testen, ob das Ergebnis gefällt und falls nötig noch Anpassungen vornehmen. Man erkennt schon mal eine löchrige Tonne im Flug ;-)

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Flashback in die Achtziger

In den späten Achtziger Jahren durfte ich in der Sommerzeit als Ausbilder (AGA Gruppenkommandant) am Truppenübungsplatz (TÜPL) Allentsteig verbringen. Zu der Zeit stand unweit einer Ausfahrt des Lager Kaufholz, in dem die Ausbildungskompanie die Unterkunft hatte, ein silbernes Flugzeug am Waldrand.

Eines späten Nachmittags, nach Dienstschluss, begutachtete ich in Begleitung einer Kiste Bier und einiger Kameraden das silberne Flugzeug. Bei näherer Betrachtung des Hecks stellte sich heraus ... es ist eine Saab J 29F (Rote G, 2. Staffel/JaBoGeschwader, Ser.Nr am Heck 29664).

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

An der linken Seite konnte man deutlich das Staffelwappen (Löwe von Aspern) sehen. Nach der Verlegung der Staffel von Schwechat nach Graz erhielt das Staffelwapen statt dem roten Schild mit weißem Kreuz ein weiß/grünes Schild, wie man am auch auf dem Foto erkennen kann. Links vorne sieht man, hinter den Öffnungen für die MGs, das Panel in dem der Aufklärungssatz (Panel mit 3 Fotoapparaten) eingebaut war.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Das Flugzeug war entkernt und ohne technische "Innereien". Einschusslöcher waren zu sehen. Ich vermute das Flugzeug diente als Zielobjekt für Scharfschieß Übungen.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Eine Tonne lässt sich auch prima als Wippe verwenden ;-)

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

... ok, genug von der Reise in die Vergangenheit ... weiter mit dem Baubericht ...

... als nächstes wurde der Resin Pilot (von Pilot Replicas) gesäubert/bemalt sowie das Cockpit bemalt und zusammengebaut.

Der Pilot ist stimmig modelliert, der Guss ist nicht perfekt aber OK. Der Pilot hat einen Fallschirm und eine Schwimmweste aufmodelliert. Da die Schwimmweste in den Alpen eher wenig benötigt wird, kann diese getrost übermalt werden ;-) Ich habe die Ätzteilgurte für den Schleudersitz ausgeglüht und angeklebt. Bemalt wurde die Figur mit diversen Vallejo Farben. Der sandfärbige Fliegeroverall war damals üblich.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Hier ein Bild an dem man gut die Pilotenausrüstung erkennt ... keine Schwimmweste ;-) Das Foto hängt in der Ausstellung im Hangar 8/Zeltweg Fliegerhorst Hinterstoisser. Copyright siehe Foto ;-)

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Das Cockpit wurde in grün und silber bemalt. Die Instrumente liegen als Decals bei. Die Decals sind von Cartograf gedruckt und hervorragend. Eduard hat bisher noch keine Verbesserungen für die Tonne von Pilot Replicas im Programm, was schade ist. Die Seitenkonsolen sind in großen Teilen der Phantasie der CAD-Designer bei Pilot Replicas entsprungen, aber da man später, wegen dem Piloten, ohnehin nix davon sehen wird spare ich mir eine Detailierung ;-)

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Beim Zusammenbau des Cockpits ist die Anleitung etwas vage bei der genauen Positionierung der einzelnen Teile. Daher kam es, dass bei Probepassungen ein schöner Spalt entstanden ist.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Die linke Seite des Panels muste etwas abgeschliffen und korrigiert werden. Außerdem mussten die Pedale abgeschnitten werden, da der Pilot nicht richtig passte und zu hoch aus dem Sitz ragte.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Äußerst unangenehm war der Zusammenbau der Bugsektion der Tonne. Das Design der Bugsektion ist nicht gerade clever, da man sehr viele Einzelteile zu einer Tonne verkleben muss ... was nicht so ganz easy ist.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Bei allen Klappen mussten die Scharniere entfernt und eine geschlossene Darstellung umgesetzt werden. Die Passgenauigkeit der Klappen und Öffnungen im geschlossenen Zustand ist schlimm ... da kann ich dem Hersteller aber keinen großen Vorwurf machen. Das Modell ist dafür konzipiert, dass man es auf die Räder stellt. Da fallen diese Ungenauigkeiten nicht weiter auf.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Zuguterletzt war der obere Teil des Bugs zu weit nach Innen gebogen, es entstand ein Versatz von 1 mm und ich musste den Bereich mit eine Spreizhilfe aus Zahnstochern (Spreizstocher) auf die passende Breite bringen.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Da ein Zahnstocher durch die Rundung nicht an der Stelle bleiben wollte und immer weggeschnippt ist, habe ich an beide Enden kurzerhand ein Stückerl Schleifpapier angeklebt (rauhe Seite zum Plastik ;-) und voila ... damit blieb der Spreizstocher stabil in der Rundung.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Wieder eine wunderschöne Spalte aus der Abteilund "der Bausatz ist als Standmodell konzipiert" ...

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Jetzt hilft nur ... diverse Lücken von hinten mit Sheet hinterfüttern und mit Putty füllen.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Der Lufteinlass passt eher weniger und musste verschliffen werden ... dann endlich werden vordere und hintere Bugsektion zusammengeklebt und ich bin froh dass dieser Arbeitsschritt erledigt ist.

SAAB J-29F Fliegende Tonne ÖBH

Beim Zusammenbau der Bugsektion habe ich mit Erschrecken festgestellt das der Hersteller dem Bausatz leider keinen alternativen Bauteil für den Aufklärungssatz beigefügt hat ... und das bei einem "Premium Series" Bausatz, wie der Hersteller so schön auf die Packung geschrieben hat. Andere Hersteller können da anders, aber vielleicht meint man ja damit eher die Preisgestaltung.

Damit kann ich meine ursprünglich geplante Maschine (Rote G) ohne gröbere Scratchbauten nicht korrekt umsetzen und werde mir wohl eine andere Markierung aussuchen müssen.

Aber damit geht es erst im 2. Teil des Bauberichts weiter.

Beste Modellbaugrüße
Walter Lampel


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